Ausgewählte Einträge - Politisches III  (ab 25.10.05)

 

20.02.2007 - Dienstag - "Ex-Terror?"

 

Gedenkveranstaltungen für die Opfer der RAF? Ja! Schulische Aufarbeitung? Aber Ja! Denn wie ist die RAF entstanden? Aufgrund des Schweigens ihrer Nazi-Väter. Was tun die Chefs der RAF heute? Schweigen - wie ihre Nazi-Väter.

   Heute: RAF goes Pop - ich mag gar nicht an kommende Interviews oder gar verklärte Spielfilme denken.

   Und noch was fiel mir heute auf, das ich so noch nie gesehen hatte: Corinna Ponto äußert sich irritiert darüber, dass immer wieder von Ex-Terroristen gesprochen werde: "Dieses "Ex" ist ein Privileg. Ich kenne keinen Ex-Mörder, auch keinen Ex-Kindesentführer.“ Auch könne ein Opfer nie ein Ex-Opfer sein. [Link]

   Wie recht sie hat!

   Jetzt sollte über den Grund dieser Wortwahl mal ein Nachdenken beginnen...

 

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23.01.2007 - Dienstag - "Gespaltenes Verhältnis"

 

Brigitte Mohnhaupt soll bald freigelassen werden. Hm, ich bin von mir selbst überrascht, dass ich eine so gespaltene Meinung dazu habe. Grundsätzlich bin ich in den meisten Fällen gegen jedwedes Einsperren. Bei Taten, gegen deren Wiederholung die Gesellschaft geschützt werden muss, gibt es leider keine andere Lösung. Aber hier liegt der Fall ganz anders.

   15 Jahre als "lebenslange Haft" ist eigentlich völlig in Ordnung, da meistens die schweren Delikte wie Mord Beziehungstaten sind, bei denen die Gesellschaft überhaupt nicht gefährdet ist. Die ganz wenigen Taten, die übrigbleiben (weniger als 10%), bereiten Kopfzerbrechen. Ein Großteil davon wandert in die Psychiatrie, die wenigsten bleiben lebenslang im Gefängnis aufgrund der Schwere ihrer Tat. Brigitte Mohnhaupt ist ein solcher Fall.

   Sie ist als eine der Köpfe schuldig am Mord Bubacks, Pontos, Schleyers und weiterer nicht berühmter Menschen. Diese Taten wurden feige geplant und ausgeführt sowie unmenschlich und zynisch gerechtfertigt. Mohnhaupt war der Kopf der 2. Generation der RAF. Sie prägte noch jahrelang im Gefängnis die Ideologie der RAF und ist somit mitverantwortlich für die Opfer der 3. RAF-Generation. Dies besitzt eine Dimension weit größer als übliche Verbrechen.

 

   Wenn die innenpolitische Sprecherin der Links-Fraktion, Ulla Jelpke, sagt: "Wer fordert, die letzten RAF-Gefangenen weiter eingesperrt zu halten, dem geht es offenkundig nicht um Recht, sondern um Rache.“, so zeigt es mir, dass die RAF zumindest in den Köpfen noch immer nicht vollends überwunden und verarbeitet ist, denn mit Rache haben meine Zweifel nun wirklich nichts zu tun. Dennoch meine ich, es ist zu früh für eine vorzeitige Entlassung. 24 Jahre sind zwar eine sehr lange Zeit, doch für heutige 20jährige mit ähnlich wirren Ideen, nicht abschreckend.

 

  Ich meine, man sollte unterscheiden zwischen den Köpfen der RAF, den Mitgliedern und den Mitläufern. Deshalb wurden auch schon einige Mitglieder vorzeitig freigelassen, dem stimme ich vollends zu.

   Mit den Köpfen Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar ist es etwas anderes, wie es etwas anderes ist zwischen einem Ortsvorsteher der NSDAP und den ideologischen Köpfen der Nazis. Rudolf Heß wurde als ein solcher lebenslang in Berlin-Spandau gefangen gehalten. Die anderen Nazi-Verbrecher wurden freigelassen (z.B. Speer als Kopf der Nazis, der persönlich aber keinem Menschen ein Haar krümmte); darüber empören sich bis heute viele Menschen.

   Mohnhaupt unterscheidet sich in nichts von diesen Nazi-Größen (oder nur insoweit, dass sie Kopf der RAF und persönliche Mörderin ist; also einen Tacken schlimmer noch als Speer), wie die RAF sich in nichts von den Nazis unterscheidet (vergleiche hierbei die "Bewegung" der NSDAP in den 1920er Jahren mit der RAF - das ist austauschbar). Wenn wir Heß nicht vorzeitig entließen, Mohnhaupt aber entlassen, so messen wir mit zweierlei Maß.

   Es geht auch nicht ums Vergeben alleine, es geht ebenso um Verantwortung - für die eigenen Taten sowie um Verantwortung gegenüber dem Staat und seinen Menschen.

   Hier mehr Infos u.a. über die selbst in gegenteiliger Intention durchaus erkennbare faschistoide Struktur der RAF.

   Ich bin froh, dass ich nichts entscheiden muss.

 

   Achja, wenn jetzt jemand meint, die RAF könne doch nicht mit den Nazis verglichen werden - *hüstel* - nein? Warum denn nicht? Das würde ich doch gerne irgendwann mal erfahren.

 

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14.12.2006 - Donnerstag - "Psychopathologie der Verlierer"

 

Wunderbar, manchmal lese ich im Web Sachen, die die Realität treffen wie der sprichwörtliche Hammer den Nagel auf den Kopf.

   Henryk M. Broder beschreibt die Psyche u.a. des Verschwörungs-Spinners Wisnewski wie folgt: "Alle Leute, die ich kenne, und die Verschwörungstheorien anhängen, sind gescheiterte Existenzen, Leute die glauben, dass sie um etwas betrogen wurden, dass sie es besser verdient hätten, dass das Leben nicht fair zu ihnen war. Für ihr eigenes Scheitern machen sie dunkle Mächte verantwortlich und übertragen das dann völlig unbedacht auf die globale Situation. Sehen Sie sich Wisnewski an, der sich bis zur Selbstentblößung präsentiert, indem er über sich selbst in der dritten Person schreibt und sich auf seiner Homepage als »Terrorismusexperten« vorstellt, der er gerne geworden wäre, aber leider nicht ist. Ausgerechnet er hat für alles eine Erklärung. Für ihn ist es ein Trost, dass die Welt so funktioniert, wie ihm selbst mitgespielt worden ist." [Link] Das erkannt bereits im Jahre 2003! Kompliment, Herr Broder.

   Und weshalb in den letzten Jahren die Anhängerschaft dieser Theorien dermaßen sprunghaft angestiegen ist, liegt eben genau daran, dass Viele sich heute als Verlierer der Globalisierung empfinden. Immer in Zeiten des Wandels gab es "Verlierer" und blühten zeitgleich die verrücktesten Verschwörungstheorien - das zieht sich durch die Jahrhunderte.

   Menschen brauchen halt einen einfachen Sündenbock, nur so sind sie zufrieden; das reicht dann vom Schreibtisch bis hin zum Blutrausch bzw. Pogrom.

 

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10.11.2006 - Freitag - "Doppelte Moral"

 

Also, ich verstehe die doppelte Moral unserer Medien und der Palästinenser nicht. Die 18 Menschen sind durch einen versehentlichen Angriff Israels ums Leben gekommen. So tragisch es ist, es war keine Absicht, sondern ein Versehen!

   Da wird dennoch von Massaker geschrieben und auf den Straßen geschrieen. Dabei schießen gerade die Palästinenser, die sich jetzt gegen die zivilen Opfer so vehement entrüsten, regelmäßig ihre Raketen aus dem Gazastreifen auf israelische Zivilisten und applaudieren gemeinschaftlich auf den Straßen, je mehr Tote es gegeben hat. Und um möglichst viele Zivilisten bestialisch ermorden zu können, werden nach wie vor Selbstmordattentäter nach Israel geschickt.

   Man muss doch mal deutlich das Wesentliche zusammenfassen: Israels Armee hat nicht einen einzigen unschuldigen Zivilisten absichtlich getötet. Die radikalen Palästinenserorganisationen töten absichtlich regelmäßig unschuldige israelische Menschen. Dies ist sogar ihre ausgewiesene Strategie im Kampf gegen Israel.

   Ist es denn heute unseren Medien egal, ob jemand unabsichtlich oder absichtlich getötet wurde? Immerhin beschreibt dies den eklatanten Unterschied zwischen Unfall oder Mord.

 

   Ich kann es immer nur wiederholen: Lasst Israel in Ruhe leben und Israel lässt alle anderen in Ruhe leben. So einfach wäre das. Warum wird Israel nicht in Ruhe gelassen? Genau das wären Titel und Kommentare in den Zeitungen wert.

   Diese europäische Onkel-Toms-Hütte-Mentalität für die Palästinenser ist nicht nur naiv, sie wird über kurz oder lang über ähnliche Probleme in Europa werten und urteilen müssen - spätestens dann, wenn die Aktionen der vermeintlichen Helden unsere Bürger umbringen, wird diese Politik-Romantik kippen. Ich bin gespannt, so ich es denn erleben werde, wie und wohin sie sich dann aus verständlichem egoistischen Interesse heraus wandeln wird.

 

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05.09.2006 - Dienstag - "Religionen die 3. - Ungeahntes"

 

Den gestrigen Beitrag hatte ich bereits am Samstag auf Arbeit und Papier vorgeschrieben, seit gestern bewegt der Rückzug Seyran Ates gottlob doch etliche Leute und viele Medien.

 

   Aber heute etwas anderes: "Religionsrüge" die Dritte. Nach dem Katholizismus und dem Islam jetzt mal ein Wort zum "friedliebenden" Buddhismus.

   Wie oft hatte ich in meiner Vergangenheit etwas merkwürdige Gespräche mit Menschen, die so vollkommen glücklich und ausgeglichen schienen; Europäer, Deutsche wohlgemerkt. Sie erzählten mir von bewegenden Treffen mit dem Dalai Lama und einer einzigartigen friedlichen Religion, dem Buddhismus, unter dem es noch nie Kriege gab und kein Mensch je leiden musste. "Schön", sagte ich ihnen, "dann sei doch glücklich mit dieser Religion". Nein, in all diesen Gesprächen gaben sie sich aber nie mit ihrem Glück zufrieden, sondern versuchten geschickt mir immer wieder Unzufriedenheit einzureden, denn schließlich könne nur ein Buddhist die vollkommene Glückseligkeit erreichen, ein Andersgläubiger, gar ein Atheist wie ich niemals.

   Gestern sah ich im TV nun ausnahmsweise Beckmann (ich weiß, Asche auf mein Haupt), da war als Gast die beeindruckende Sabriye Tenberken. Sie ist blind und betreibt in Tibet ein einzigartiges Blindenzentrum. Im Gespräch erklärte Frau Tenberken, dass dort Blinde als vom Buddhismus gestrafte Menschen betrachtet werden, oft auch als von Dämonen besessene.

   Was? Da musste ich aber schlucken, denn das wusste ich nicht; behinderte Menschen seien von Dämonen besessen und würden demzufolge eher wie ein Tier "gehalten"? Das erinnert frappant an den Umgang mit Leprakranken im Altertum, doch wir befinden uns im 21. Jahrhundert.

   Nein, ich sehe das nicht richtig, populistisch und viel zu einfach, denkt jetzt so mancher Buddha-Fan. - Ach? Da haben also Tausende Jahre hindurch die Verantwortlichen für diese Religion es dummerweise nur versäumt, der einfachen Bevölkerung klar zu machen, dass Blinde genauso (göttlich) wertvoll sind wie normale Menschen und niemand im jetzigen Leben durch ein unbekanntes vorheriges Leben je bestraft sein wird? Aja, eigentlich wird man doch wiedergeboren und unter Umständen für Vergehen aus dem vorherigen Leben bestraft - und deshalb gibt es leider sehr wohl im Buddhismus solche armen behinderten Kreaturen? Was für eine miese Rechtfertigung für Macht.

   Vielleicht war es aber auch bloß den spirituell Abgefahrenen in ihrem von Klostermauern umgebenen "glückseligen" Drogenrausch schlicht egal, was mit dem dummen Volk da draußen in der Welt geschah? *würg*

   Wie dem auch sei, wieder ein Beispiel für das katastrophale Versagen von Religion in der Welt bis heute. Und wieder ein Beispiel für die Diskrepanz zwischen dem verschönenden Reden und Werben der Funktionäre (Priester, Schamanen, Propheten, Gurus etc.) und das durch die Religion begründete von Menschen begangene Unrecht an Menschen.

 

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04.09.2006 - Montag - "Männer - Gewalt - Religion"

 

Seyran Ates gibt auf: "Wegen einer 'akuten Bedrohungssituation' hat die namhafte Berliner Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates ihre Zulassung zurückgegeben. 'Es gibt Sicherheitsprobleme', bestätigen Kolleginnen, die ebenfalls Migrantinnen verteidigen. Sie hat gekämpft, argumentiert und gestritten. Für das Recht jeder Frau, ihren Ehemann und ihre Lebensform selbst zu wählen. Seyran Ates ist eine der bekanntesten Frauenrechtlerinnen des Landes. Die Strafrechtlerin hat vor allem Migrantinnen vor Gericht vertreten. Jetzt aber ist die renommierte türkischstämmige Anwältin keine Anwältin mehr. Ates gab ihre Zulassung zurück. Ihre Kanzlei hat sie aufgelöst." [Link] | [Homepage]

   Bisher habe ich in den großen Medien davon nichts gehört oder gelesen. Dabei ist dieser Rückzug ein entscheidender Beleg - erstens, für die Machtlosigkeit gegenüber der Gewalt im alltäglichen Leben der islamischen Kultur - und zweitens, für die brutalen mafiosen Familienstrukturen mit ihren Auswirkungen selbst auf unseren Rechtsstaat bzw. eine seiner juristischen Repräsentantinnen.

   Nein, ich stimme kein antiislamisches Lied hier an, doch meine, man sollte im Alltag seine Augen nicht vor Grundgesetzverletzungen verschließen. Und dazu gehört eben auch die Unterdrückung der Frau im Islam, sog. "Ehrenmorde" oder die Zwangsheirat. Persönlich kann ich dieses Machogehabe vieler insbesondere junger einfältiger Männer moslemischer Erziehung kaum noch ertragen.

   Ich finde den Rückzug Frau Ates vor der Gewalt natürlich absolut verständlich, doch mit ihr kapituliert zum ersten Mal besonders auffällig die Aufklärung des Westens in ihrer (naiven) Toleranz vor - ja, wie soll ich's sagen, vor was wird eigentlich kapituliert? Vor Gewalt mittelalterlicher Struktur, die vom Islam gepredigt und praktiziert wird. Und letztlich vor der Sharia.

   Es gibt nur eine einzige Religion auf der Welt, die offensiv Gewalt, heiligen Krieg und Tod den Ungläubigen predigt, die einem patriarchalisch-gewalttätigen Rechts- und Familienbild nachhängt und die sogar ihre Selbstmordattentäter sowie deren "stolze" Familienangehörige ganz schrecklich verarscht - und das ist der Islam.

   Vor dem alltäglichen Unrecht sollten wir nicht im Namen falsch verstandener Toleranz die Augen verschließen - und wir dürfen, wie ich meine, alle gemeinsam nicht schweigen, wenn einzelne Menschen wie Frau Ates gewaltsam in Deutschland an der Ausübung ihrer Arbeit für die vielen islamischen Frauen in unserem Rechtsstaat, für das Grundgesetz und die Menschenrechte gehindert wird.

   Jeder soll zu seinem eigenen Gott beten - aber die Religion und der Glaube gehören vom Staat und seinen Gesetzen getrennt.

 

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02.09.2006 - Samstag - "Das Wort zum Sonntag"

 

Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln: Ein erwachsener gebildeter Mann von über 80 Jahren, Führer einer der Weltreligionen mit ungeheurer Verantwortung betet einen Götzen an. Dieser ganze Reliquienscheiß der Katholiken geht mir so was von auf den Geist - und da zeigen so Viele ernsthaft mit ihren Fingern anklagend auf einen rückständigen mittelalterlichen Islam? Herrje, fasst euch doch mal an den Kopf und an die eigene Nase.

   Nichts gegen Spiritualität, der Mensch braucht so etwas, aber Spiritualität muss seine Grenzen spätestens da finden, wo Verarsche und Götzenkult beginnen. Seit Luther wissen wir doch, wie die Katholen mit ihrer Reliquienverehrung selbst den Ärmsten der Armen noch das letzte Hemd auszogen. Hallo? Es ist das 21. Jahrhundert, in dem wir leben.

   Benedito - Non Merci.

 

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28.08.2006 - Montag - "UN-Einsatz im Libanon"

 

Was macht der UN-Einsatz im Libanon für einen Sinn, wenn, wie der Spiegel berichtet, weder die libanesisch-syrische Grenze überwacht noch die Hisbollah entwaffnet wird, was schließlich als UN-Resolution bereits vor dem Konflikt beschlossen worden war?

   Auf See sollen deutsche Soldaten etwaigen Waffenschmuggel unterbinden, den es dort überhaupt nicht gibt, erst recht nicht, da die Hisbollah munter weiter über Syrien aufgerüstet wird. Sollte es in der Tat so geschehen, und alles spricht dafür (oder glaubst du, die libanesische "Armee" kann oder will plötzlich das leisten, was sie seit zig Jahren nicht leistet?), ist dieser UN-Einsatz eine Farce und sein Scheitern bereits heute festgeschrieben.

   Schaun wir mal, wie die deutsche Öffentlichkeit reagiert, wenn die Hisbollah wieder Raketen auf Israel abschießt und daraufhin durch gerechtfertigte israelische Gegenwehr erstmalig westliche oder möglicherweise sogar deutsche UN-Soldaten ihr Leben lassen. Denn, mit Verlaub, deutsche Bundeswehrsoldaten sind Weißgott nicht in der Lage, nichtuniformierte Guerilla-Profis der Hisbollah auch nur ansatzweise zu erkennen, selbst wenn sie direkt neben den Deutschen ihre Raketen auf Lastwagen montiert abschießen sollten und sich in Zivil sogleich vom Ort des Geschehens entfernen. Im Südlibanon ist "alles" Hisbollah oder Hisbollahnah. Somit hätte wenigstens Minister Jung dann endlich nicht bloß ein bewaffnetes technisches Hilfswerk, sondern echte deutsche Kampftruppen, auf die er so viel Wert legt, auch wenn sie anschließend daheim begraben werden.

   Aber andererseits werden gottlob die Deutschen wahrscheinlich eben nur nutzlos vor der libanesischen Küste herumschippern.

   Wer wird am Ende wieder alleingelassen werden? Israel. Wer wird ernsthaft der Hisbollah etwas entgegensetzen können? Israel. Und die europäische Dekadenz wird ihr eigenes Scheitern wiederum Israel anlasten.

 

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17.08.2006 - Donnerstag - "Lost Intelligence"

 

Ich fass es nicht, da drehen ein paar an der Filmhochschule abgewiesene spätpubertierende Kids einen genialen Suggestiv- und Manipulationsfilm namens "Loose Change", und Millionen bekloppter Nichtdenker fallen darauf genauso herein wie damals die Leute auf Orson Welles Reportage von der Invasion der Marsianer.

   Kompliment, das habt ihr perfekt gemacht, die Film- und Kunsthochschulen haben schon immer so manches große Talent zu Unrecht ignoriert.

 

   Ähnliches mit der Mondlandung: Nun ist die NASA keine Bibliothek und da können schon mal Dokumente vorübergehend verschwinden. Es sind ein paar Uralt-Kassetten verschollen. Deswegen schreien die bekloppten Nichtdenker und US-Gegner: "Der Beweis! War alles nur ein Fake!" Mein Gott, wenn ich das Originalprogramm dieses Blogs verliere, gibt es mich dann im Internet nicht mehr oder sogar real nicht mehr? - Hä...?!?

   In diesem Sinne, ich rufe dazu auf, die Gehirnzellen sportiv nicht allzu sehr zu vernachlässigen ;o))

 

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04.08.2006 - Freitag - "Hegemonie statt Demokratie"

 

Die "taz" berichtet, wie zu erwarten war, seit Tagen einseitig gegen Israel. Im neuerlichen Kommentar, "Hegemonie statt Demokratie" versucht Daniel Bax seine Leser hinters Licht zu führen, indem er einen künstlichen Zusammenhang zu schaffen versucht, der den momentanen Krieg im Libanon einerseits mit Hegemonieansprüchen der USA und andererseits mit der Missachtung des Willens der libanesischen Bevölkerung verknüpft. Dabei begeht er journalistische Fehler, die unter aller Sau sind: Behauptungen müssen belegt werden, andernfalls sind es lediglich Parolen. "Am deutlichsten ist der Stimmungsumschwung im Libanon selbst. Seit dem Krieg ist alle Kritik an der Hisbollah verstummt, eine Mehrheit über alle Religionen hinweg (!) unterstützt jetzt deren militärischen Widerstand." Ach ja? Woher weiß Daniel Bax das? Und selbst wenn, was sagt es denn?

   Nein, der Westen hält sich mit Kritik gegen Israel deshalb zurück, da leicht zu erkennen ist, was die Hisbollah im Schilde führt, von wem sie bezahlt und ausgerüstet wird und dass sie einen iranischen Stellvertreterkrieg führt. Die arabischen Staaten halten sich mit Kritik an Israel ebenfalls auffällig zurück, da sie natürlich, wie Daniel Bax ganz richtig analysiert, kein Interesse an der Stärkung der Schiiten haben. Ob sie unter dem Druck der Straße umschwenken, ist sehr unwahrscheinlich, denn geschieht so etwas selbst im Irak unter den grausamen Bombenanschlägen nicht - Sunniten und Schiiten werden sich auch nicht näherkommen, nur da Israel die Hisbollah bekämpft und der Westen dies kommentarlos geschehen lässt. Da braucht es unendlich mehr, eh sich diese beiden islamischen Gruppierungen jemals solidarisch zusammenschlössen.

   Also, der Titel des Taz-Kommentars ist völlig entgegengesetzt zu interpretieren. Nicht die USA/Israel wollen die Hegemonie erreichen und missachten den Willen des libanesischen Volkes, sondern vor allem der Iran und Syrien wollen durch die Hisbollah eine Hegemonie erreichen. Bis zur Ermordung des libanesischen Präsidenten durch Syrien gab es ja bereits eine funktionierende Demokratie im Libanon, die der Iran durch seine Unterstützung der Hisbollah systematisch untergrub.

   Wenn Daniel Bax grundsätzlich Volksabstimmungen als Demokratie verstehen sollte, dann haben wir völlig entgegengesetzte Vorstellungen von einer Demokratie. Frage die Bewohner der Länder um Israel herum mit ihren knapp 60 Millionen Einwohnern, ob, wie der iranische Präsident tönt, Israel mit nur 6 Millionen Einwohnern von der Landkarte gestrichen werden soll, dann würden sicher 90% zustimmen. Und? Was hätte das mit Demokratie zu tun? Die UNO hat 1948 demokratisch (d.h. mehrheitlich alle Länder dieser Erde) Israels Existenz erschaffen; das kann man jetzt nicht mit einer "lokalen Demokratie" außer Kraft setzen.

 

   Dies lässt mich doch mal Grundsätzliches erklären: Wenn ein Volk oder eine Volksgruppe ihren eigenen Staat anerkannt bekommen hat (z.B. jüngst die GUS-Staaten oder Kroatien oder Mazedonien), dann lässt sich das nachträglich gegen den Willen der Bevölkerung dieses Staates gottlob nicht mehr rückgängig machen. Ein Existenzrecht ist ähnlich eines Lebensrechtes: bist du als Mensch geboren, so hast du ein Lebensrecht bis zu deinem natürlichen Ende. Sind Staaten einmal geboren, bleibt ihr Existenzrecht bis zu ihrer Auflösung (z.B. Römisches Reich) bestehen.

   Also dürfte es nun klar sein, dass das Gerede um Israels Existenzrecht absolut überflüssig ist und jeder Versuch, selbst versteckt unter einem demokratischen Mäntelchen, daran zu rütteln, gegen internationales Recht verstößt. Man muss es so deutlich beim Namen nennen, dann erkennt man, was die Hisbollah, Irans Präsident und einige Deutsche da eigentlich betreiben.

 

   Ich wünsche dir ein schönes Wochenende, bis Montag :-))

 

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27.07.2006 - Donnerstag - "Opportunismus"

 

Nun ist er bei mir völlig unten durch. Oskar Lafontaine zeigt mit aller Deutlichkeit sein antisemitisches Denken. Wie das?

   Er wirft Israel vor, Streubomben im Libanon zu benutzen. Es wäre in der Tat verwerflich und müsste in schärfster Form gerügt werden. Doch 1. ist die Benutzung dieser Bomben bis heute lediglich ein (gezielt verbreitetes?) Gerücht und 2. - und jetzt kommt's - was hätte diese Streubomben-Benutzung mit dem Recht Israels auf seine Grenzen zu tun? Lafontaine sagt lt. Linkszeitung: "Nur wenn Israel sich selbst an das Völkerrecht hält, wird es eine sichere Zukunft in sicheren Grenzen neben einem gleichberechtigten Palästinenserstaat haben". Was soll das denn? Wenn Israel sich nicht ans Völkerrecht hält, wird ihm die staatliche Zukunft aberkannt?

   Das ist nicht nur strohdumm von Lafontaine, da eine Aberkennung Israels staatlicher Grenzen ebenfalls völkerrechtswidrig wäre, es ist antisemitisch, da nur wieder Israel damit gedroht wird. Ist je ein Mensch auf die Idee gekommen, der USA, die Streubomben in Afghanistan und im Irak verwendet hat, deshalb ihre staatliche Souveränität abzuerkennen? Wurde irgendwann einmal in der Geschichte ein Land für etwas ähnliches damit bestraft? Aber Lafontaine droht Israel oder wie?

   Nee, ich habe lange gezögert mit meiner abschließenden Beurteilung Lafontaines, vielleicht auch, da ich's nicht sehen wollte, denn er war für die Linke sehr nützlich. Nu' ist er aber da, der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Lafontaine ist Populist auf Teufel komm raus, bedient die Sofalinken und die Sofarechten gleichermaßen, ob Antisemitismus, Amerikahass, überzogene Kapitalismuskritik oder Ressentiments gegen Ausländer, Hauptsache aus allen Ecken kommen genug Stimmen für die nächste Wahl.

   Würg, ich geh kotzen.

 

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26.07.2006 - Mittwoch - "Krieg und Frieden"

 

Waffenstillstand in Nahost? Vorgestern sendete das ZDF noch ein Spezial, in dem Claus Kleber den libanesischen Außenminister interviewte. Mehrmals stellte er die Frage nach der Entwaffnung der Hisbollah, und jedes Mal betonte der Außenminister, dass dies so ohne weiteres nicht infrage käme. Von daher erübrigt sich momentan jede Fantasie, die einen Waffenstillstand als Voraussetzung beinhaltet.

   Die Hisbollah betreibt ihre Stützpunkte mitten unter den zivilen Bewohnern. Diese feige Strategie sich hinter einer Menschenmauer zu verstecken, zeigt deutlich die Verachtung der Hisbollah für die eigene Bevölkerung.

   Peter stellt das Entscheidende fest: Was würden wir tun, wenn in unseren Fußgängerzonen, in Kinos und an allen anderen öffentlichen Orten das Leben nicht mehr sicher wäre, da seit Monaten Raketen dorthin geschossen würden. Wenn wir sogar in unseren Wohnungen nicht mehr sicher wären, wenn Selbstmordattentäter an jeder Ecke stünden; wenn sie in Schulen, Bussen, Cafes jederzeit ihre niederträchtigen mit Nägeln gespickten Bomben zünden würden? Was, wenn bei uns Jahr für Jahr dieser Terror Alltag wäre?

   Ich finde es ebenso wie Peter im wortwörtlichen Sinne merkwürdig und bezeichnend, dass so viele "Pazifisten" hier im sicheren Deutschland mit ihren Fingern einseitig gen Israel zeigen. Dieses Land will nur in Ruhe gelassen werden, die Menschen dort möchten seit jeher in Frieden leben, doch man lässt sie einfach nicht. Israel solle von der Landkarte gefegt werden, so der iranische Hitler-Nachfolger und eigentliche Hisbollah-Chef Ahmadinedschad. Wenn das ein Nachbarland Deutschlands über uns sagen würde und seine Terrorgruppen bei uns finanzieren und mit Raketen versorgen würde, was denn dann? Natürlich hat Israel nicht nur das Recht sich zu verteidigen, die israelische Regierung hat sogar gegenüber der Bevölkerung die verdammte Pflicht dies zu tun.

   Die normale Bevölkerung in Israel und im Libanon will in Frieden leben, die libanesische Regierung ist hingegen zu schwach, diesen Willen ihrer Bevölkerung auch durchzusetzen. Wenn die eigene Regierung nicht in der Lage oder Willens ist, die Hisbollah zu entwaffnen, dann muss es halt jemand anderes machen. Somit erfüllt die israelische Regierung zur Zeit den Willen der Bevölkerung beider Länder, indem sie die Grundlagen für einen dauerhaften Frieden im Libanon schafft und damit die libanesische Regierung letztlich stärkt, so lange die in der Zukunft nicht wieder umfällt und als Marionettenregierung Syriens bzw. des Irans erneut gegen Israel agiert.

 

   Wer trägt die Schuld am Krieg? Welche Frage! Wer trägt beispielsweise die Schuld am 2. Weltkrieg, an der Zerstörung Dresdens? Die Engländer, die Amerikaner? Oder doch Hitler-Deutschland? Die Zerschlagung des Gegners, des Angreifenden gehört zur Verteidigung - oder hätte die USA erst Hitler bekämpfen dürfen, wenn Hitler die USA angegriffen hätte? Aber wie ich Gestern bereits schrieb, zieht sich der große Amerikahass und der neue Antisemitismus dieser Tage gerne das Mäntelchen des Pazifismus über. Man muss auch dort zwischen den Zeilen lesen können.

 

   Off Topic: Kannst du dir auch nur annähernd vorstellen, was passieren würde, wenn der Iran über Atomwaffen verfügt? Wie könnte man das verhindern? Wer könnte es? Nach reiflicher Überlegung gibt es meiner Meinung nach keine Alternative, als dies gewaltsam zu tun. Oder was meinst du? Gibt es eine andere Lösung, das Streben des Irans nach Atomwaffen zu unterbinden?

 

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25.07.2006 - Dienstag - "Absurdes Theater II"

 

Moderner Antisemitismus und größtmögliche Dummheit in einem Brief an Irans Präsidenten Ahmadinedschad: "... Viele von uns haben Ihr Interview mit dem Spiegel gelesen, und einen positiven Eindruck von Ihrer sanften und klaren Art bekommen." Wurde gerade (ca. 00.10 Uhr) geändert in: "... Viele von uns haben Ihr Interview mit dem Spiegel gelesen, und einen positiven Eindruck von Ihnen bekommen...".

   Manche Leute gehen absurde Wege, nur um gegen die USA agieren zu können.

 

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04.04.2006 - Dienstag - "GAU"

 

Der Anfang: Unfall in einem Kernforschungszentrum, Augenzeugen berichten. Die Betreiberfirma vertuscht den Störfall, Akten der Feuerwehr verschwinden unter mysteriösen Umständen. In der Folgezeit erkranken und sterben in erhöhtem Maße Kinder an Leukämie.

   Eine Untersuchungskommission wird eingesetzt, doch ihre Arbeit durch Behördenvertreter immer mehr behindert, bis dass die Wissenschaftler aus Protest ihre Arbeit niederlegen und die Behörden weitere Untersuchungen einstellen.

   Jahre später: Die Kinder erkranken immer weiter. Es werden erneut Bodenproben entnommen. Eine internationale Untersuchung ergibt zweifelsfrei erhöhte Plutoniumablagerungen unnatürlichen Ursprungs. Die Behörden reagieren aber einfach nicht. Und die Bevölkerung des Landes, in dem sogar Politiker oder Promis ihren geringsten Pups in großen roten Lettern als Skandal in der Boulevardpresse wiederfinden, interessiert sich nicht die Bohne für die kranken Kinder und für den Atomskandal...

   Das Szenario eines zweitklassigen Katastrophenthrillers bei RTL? Nein, Realität in Deutschland.

 

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28.03.2006 - Dienstag - "Ohne Worte"

 

2006 in Europa:

 

-          An den staatlichen Universitäten werden jene Studenten exmatrikuliert, die sich an Oppositionskundgebungen beteiligt hatten.

-          Wegen seiner Teilnahme an einer Demonstration am Freitag wurde nun auch der ehemalige polnische Botschafter in Weißrussland, Mariusz Maszkiewic, geschlagen und zu 15 Tagen Haft verurteilt.

-          Der Aufenthaltsort des ebenfalls am Samstag festgenommenen Oppositionsführers Alexander Kosulin ist weiter unbekannt.

-          Nach Schätzungen der Opposition wurden seit der gefälschten Wiederwahl Lukaschenkos vor einer Woche etwa 700 Menschen inhaftiert.

 

Und die Bundeswehr zieht in den Kongo, um freie Wahlen zu gewährleisten...

 

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20.03.2006 - Montag - "Zwei auf einen Streich"

 

Ach nee? Deutschlands gefährlichster Politiker, Bayerns Beckstein, wollte die Bundeswehr ja schon mehrmals im Inland einsetzen. Im Terrorfall oder zur Fußball-WM. Der über alle Parteigrenzen hinweg einleuchtende Grund für die Ablehnung dieses absurden Vorhabens lautete: die Bundeswehr sei für Polizeiaufgaben nicht ausgebildet.

   Was sollen unsere Soldaten denn dann im Kongo? Kämpfen? Natürlich nicht. Polizeiaufgaben während der Wahl wahrnehmen. Wie das denn, wenn sie dazu doch inkompetent sind? Oder wäre eventuell der kommende Kongoeinsatz als "Ausbildungspraktikum" zu verstehen? Nachtigall, ick hör dir trapsen.

 

   Deutschland würde in Europa Verantwortung übernehmen, meint Minister Jung [Link] zu der Idee. Schlimmere Phrasen sind ihm nicht eingefallen. Für wie blöd hält er eigentlich die Bevölkerung? Was hat Europa militärisch im Kongo zu suchen? Nichts. Braucht der Kongo Polizei für seine Wahl, muss er die UNO fragen, aber niemand im Kongo hat überhaupt jemanden gefragt, auch nicht Europa. Dass Europa sich seit Wochen aufdrängt, dort einzugreifen, hat ganz andere Gründe als unser Verteidigungsminister seinem Volk weiszumachen versucht. Hier wird erstmals ein militärischer Versuch Europas unternommen, machtpolitisch in der Welt eine größere Rolle gegenüber den USA zu übernehmen. Die Wahlen im Kongo sind nur Mittel zum Zweck; das ist furchtbar heuchlerisch, Herr Jung. Mit Verlaub, hören Sie auf, die Bürger zu verarschen.

 

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14.03.2006 - Dienstag - "Die Internationale"

 

Kürzung des ALG II? Bislang ist es nur ein Gerücht, und über Gerüchte sollte ich eigentlich nicht schreiben, doch immerhin sagte Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass aus verfassungsrechtlicher Sicht nichts gegen die Senkung des Regelsatzes spräche. [Link]

   Korrigiere mich, wenn nötig, aber wie war das noch gleich mit den Gewerkschaften? Gegründet im vorletzten Jahrhundert, um der Verelendung durch Ausbeutung breiter Bevölkerungsschichten entgegen zu wirken. Zehn Personen teilten sich zwei Zimmer im Hinterhaus, keine oder unzulängliche Sozialsysteme, Arbeitszeiten von 14 bis 16 Stunden. [Link] Also, sicher wäre nie eine Gewerkschaft gegründet worden, um für die Privilegien des Öffentlichen Dienstes zu kämpfen, aber warum kümmert sich heute keine einzige Gewerkschaft um das wirkliche Elend in der Bevölkerung, um ALG II-Empfänger, Zeitarbeiter usw.? Da wird für den Müllmann und dessen Erhalt der 38,5-Stunden-Woche großkotzig gestreikt während im selben Moment die Müllwerker der privaten Unternehmen längst 40 Stunden für ein Drittel weniger Lohn arbeiten müssen - aber die Gewerkschaften nehmen diese Menschen in ihrem Kampf für die Wohlhabenden nicht einmal mehr wahr. Was hat ein solches Verhalten noch mit der historischen Gewerkschaftsbewegung zu tun? Die Gründerväter und -mütter würden sich im Grabe herumdrehen.

   Warum ist es den nationalen Gewerkschaften partout nicht möglich, im europäischen Verbund für die Interessen der europäischen Arbeitnehmer zu kämpfen? Sollte eine Kürzung des ALG II tatsächlich erfolgen, dann wird es Zeit, die alten überholten Gewerkschaften endlich abzuschaffen und durch neue funktionierende Interessensvertretungen zu ersetzen.

   Wir sind doch so stolz und beeindruckt und reden fast täglich von der neuerlichen Revolution, die uns die modernen Kommunikations- und Computertechnologien im Zeitalter der Globalisierung bescheren; dann meine ich, ist es nur folgerichtig, wie die damaligen gewerkschaftlichen Konsequenzen der industriellen Revolution, heute den aktuellen modernen sowie den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen etwas Regelndes entgegen zu setzen, damit Ausuferungen dieser (an sich positiven) globalen Dynamik zum Nachteil Schwächerer verhindert werden können und die Entwicklung nicht steuerlos auf Grund läuft.

 

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27.02.2006 - Montag - "Neue Verschwörung"

 

Nu' ham wir den Salat, Dank Bröcker und Wisnewski gibt's eine neue Verschwörungstheorie: Die Vogelgrippe als Verschwörung - hier mal gesammelte Links dazu via Spreeblick.

   Die Welt dieser Verschwörungsmystiker ist schwarz-weiß gestrickt - immer, wenn etwas Schlimmes geschieht, sei es eine Naturkatastrophe oder ein Terroranschlag, eine Epidemie oder ein gesellschaftlich-politisch negatives Phänomen, dann kann nach ihrer Meinung nur derjenige die Ursache sein oder zumindest schuldhaft seine Finger dabei im Spiel gehabt haben, dem die Katastrophe sehr zupass kommt. Diese Weltsicht finde ich nicht nur krank und zutiefst menschenverachtend, es ist schier aberwitzig dabei zu beobachten, wie sich diese beiden "Journalisten" regelmäßig als naturwissenschaftliche Experten darstellen und sich über alle aktuellen wissenschaftlichen Standards als zur Verschwörung gehörend hinwegsetzen. Dabei begreifen sie teilweise nicht mal grundlegende naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten, was ganz besonders im Falle Wisnewski in seinen eigenen Büchern belegt ist. Beide handeln stets nach demselben Schema, dem Sähen von Misstrauen: Aus Unverstandenem wird ein Mysterium erschaffen, aus Altbekanntem und längst Widerlegtem eine Geheiminformation. Dabei wird natürlich nur mit Konjunktiven (würde, hätte, könnte, müsste) argumentiert, damit die Autoren notfalls hinterher noch sagen können, sie hätten ja nur Fragen gestellt.

   Wie gesagt, heute ist es die Vogelgrippe als Verschwörung mit allem, was dazu gehört. Aber es gibt wohl einen Markt für solche irren Thesen und Bücher. Ich denke, zu allen Zeiten, in denen die Welt im Umbruch war, gab es solche Scharlatane, die die Angst und das Unwissen der Bevölkerung für ihre eigenen politischen Geschäfte missbrauchten. In Zeiten neuerlicher gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbrüche, in Zeiten der Globalisierung und des Internets gibt es wieder viele Ängste, Existenzängste und Sorgen, Angst vor Kriegen, vor der Natur und vor der Unruhe; es ist daher eigentlich kein Wunder, dass momentan die Wisnewskis mit ihren einfachen Weltbildern wie Pilze aus dem Boden sprießen.

   Was dagegen hilft? Nur Aufklärung und Wissen, meine ich.

 

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23.02.2006 - Donnerstag - "Meinungsfreiheit"

 

Aus einer E-Mail-Kritik an mich: "3 Jahre ohne Bewährung für Irving ist ne Frechheit! Er hat keine Partei begründet, keine Aktion initiiert, sondern nur eine haarsträubende, katastrophale Meinung geäußert. - Wenn das einer gegen Links machen würde, kann man sich ausdenken, wie so ein Staat (zu Recht) genannt würde."

   Soso, zuerst, welche linke oder rechte Gesinnung sollte denn strafbar sein? Wo sollte denn das Leugnen des Holocausts ein linkes Pendant finden? Der Vergleich hinkt nicht nur gewaltig, er ist in diesem Zusammenhang schlicht unzulässig.

   Adolf Hitler hat persönlich auch keinem Menschen ein Haar gekrümmt. Übrigens ebenso wenig hat meines Wissens nach Bin Laden je einem Menschen ein Haar gekrümmt. "Mein Kampf" ist zu Recht geächtet, und geistige Brandstiftung gehört von unschuldigen Schreibtischen auf Zellenpritschen verbannt. Ja, ich finde nach wie vor Irvings Strafe gerechtfertigt, wobei ich noch immer nicht herausgekriegt habe, ob sie nun zur Bewährung ausgesetzt worden ist oder nicht. Hoffentlich nicht.

   Der Pädophile, der nie einem Kind zu nahe trat aber aus dem Internet Hunderte illegale Bildchen runterlädt, wird zu Recht dafür bestraft. Der Jugendliche, der seine Kumpel illegal mit MP3s aus dem Web versorgt, wird zu Recht dafür bestraft. Der Verleger, der verbotene Nazi-CDs herausbringt, wird zu Recht dafür bestraft. Hier könnte ich eine ellenlange Liste erstellen - all diese Menschen haben keine Parteien begründet und keine Aktionen initiiert, sondern besitzen lediglich katastrophale Neigungen oder Meinungen. Aber wegen ihrer Meinungen werden sie nicht verurteilt, selbst Nazis sitzen in unseren Landtagen. Für Taten wird man verurteilt, nicht für Meinungen. Illegales Laden aus dem Web ist eine Straftat, das Verbreiten verbotener Medien ist eine Straftat, das Leugnen des Holocaust ist eine Straftat und der Aufruf zur Gewalt ist eine Straftat - alles nachzulesen im Strafgesetzbuch. Irving hat eine Straftat begangen und ist dafür verurteilt worden.

   Die persönliche Verantwortung für das eigene Tun setzt auch persönliche Konsequenzen voraus. Außerdem: Irving gefiel sich ja eh in seiner Rolle des vortraghaltenden Vorzeigehistorikers der Nazis. Biddeschön, jetzt kann er sich gerne auch noch als Märtyrer fühlen. Wie Adolf in Landsberg wird ihm das Schreiben seines Irrsinns schließlich nicht verboten. Seine Meinung bleibt ihm erhalten. Aber seine Agitationen muss er nun bleiben lassen. Und das ist prima so.

 

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21.02.2006 - Dienstag - "Bildung gegen rechts"

 

Einerseits finde ich das Urteil gegen Irving aufgrund seiner jahrelangen Leugnung des Holocausts absolut richtig. Es muss einfach den Leuten, die die Geschichte nachträglich verändern wollen, ihre Agitationen verboten werden. Das gilt m.E. auch für diejenigen, die den "9/11" dem amerikanischen Militär in die Schuhe schieben wollen. Der salonfähig gewordene Antiamerikanismus (nicht zu verwechseln mit Kritik an der USA) ist nichts weiter als "versteckter" Antisemitismus, denn immer gehört bei diesen Leuten Israel, der Zionismus, der Mossad etc. in denselben Topf geworfen. Durch den Antiamerikanismus kann man heute seinen Antisemitismus ungestraft rauslassen.

   Andererseits können Leute wie David Irving oder aber auch Gerhard Wisnewski, dessen dumme Verschwörungstheorien zu "9/11" mich förmlich zum Erbrechen bringen, die Geschichte nur deshalb verdreht darstellen, da immer mehr Unwissenheit in der Bevölkerung vorhanden ist. Wer nichts weiß, der kann leicht verarscht werden. Eine wissende Bevölkerung würde Irving, Wisnewski & Co. erst gar nicht ermöglichen.

   Strafen sind daher nur der zweitbeste Weg, der beste wäre zweifellos mehr Geschichtskenntnisse und Wissen der Naturwissenschaften sowie mehr Medienkompetenz für alle Bürger, und ich verstehe in diesem Zusammenhang einfach nicht, weshalb die Gelder zum Beispiel für Volkshochschulen oder den zweiten Bildungsweg permanent gekürzt werden.

   Zwar bin ich sehr froh über unser großes, verantwortliches und umfangreiches öffentlich-rechtliches Fernsehen - stell dir mal vor, das gäbe es nicht mehr; die Nation wäre innerhalb einer Generation verblödet - doch diese Medien können schließlich nicht die Bildung völlig ersetzen.

 

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07.02.2006 - Dienstag - "Ratio"

 

Eine interessante Randnotiz, wenngleich von mir nicht dazu gedacht, nun mit unseren Fingern auf die anderen zu zeigen und zu rufen: "Ihr seid Schuld", denn exakt genauso wird nämlich andersherum "gesteuert". Wir, die Massen, dürfen uns nicht davon anstecken lassen. Wir sollten jeder Medienhetze widerstehen können und mit kühlem Verstand die Vernunft des Geistes auch weiterhin aufrecht erhalten. Erst dann kann man solche Randnotizen, Nuancen oder Feinheiten richtig einsortieren und beurteilen. Also bitte, Georg plädiert laut und deutlich für Contenance.

   Und wenn sie gewahrt ist, sollte man auch die Fragen stellen, wer und warum bei uns sowie bei den anderen an einer Verschärfung der Verhältnisse interessiert und beteiligt war bzw. ist. Wer gießt warum weiter Öl ins Feuer? Bei uns und bei den anderen. Und schließlich wird sich eine machtpolitische Konstellation herausstellen, die wir dann mit Logik und Verstand einzuordnen wissen. Um das aber leisten zu können, darf es weder Antiamerikanismus, Antisemitismus noch Antiislamismus oder Antichristianismus geben.

   Ich halte leider momentan die Wenigsten dazu für fähig, doch vielleicht können die/wir Fähigen den anderen dabei behilflich sein, ihre Vorurteile und ihren Hass abzubauen und somit gemeinsam die Lage klar und sachlich zu beurteilen, um dadurch Lösungen aus den verworrensten Situationen doch noch zu finden. Alternativen gibt es nämlich immer.

 

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06.02.2006 - Montag - "Humanismus"

 

Die Meinungs- und Pressefreiheit ist ein kostbares Gut, das wir der Aufklärung zu verdanken haben, aber ich frage mich, ob die lautstarken Verfechter des Bloß-Nicht-Entschuldigen-Wollens angesichts des "Karikaturenstreits" eigentlich wissen, dass wesentlicher Bestandteil der Aufklärung der Humanismus ist, der sich durch Moral und Ethik sowie durch die Verantwortung des einzelnen Menschen für die Gesellschaft und die Menschheit definiert?

   Angela Merkel als Bundeskanzlerin eben eines solchen humanistischen Staates muss sich rechtlich sicher bei niemandem entschuldigen, ich finde aber, sie hätte Größe und Weisheit bewiesen, wenn sie es für den Nachdruck der Zerrbilder in den deutschen Zeitungen dennoch getan hätte. Und zwar gerade, da sie es nicht muss.

   Übrigens hier wirst du mit etlichen Links über den Ursprung, die Reaktionen sowie die Entwicklungen des "Karikaturenstreits" gut und zusammenhängend informiert.

   Mir scheint, mit dem Tode Johannes Raus ist nicht nur ein großer deutscher Humanist gestorben, sondern seine Devise "versöhnen statt spalten" wurde ebenfalls mit ihm endgültig zu Grabe getragen. Was jetzt kommt, ist nur noch Hass und Kampf auf beiden Seiten.

 

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02.02.2006 - Donnerstag - "Sozialneid"

 

In einer Zeit, in der 5 Millionen Menschen ohne Arbeit sind, in der einfach keine Arbeit vorhanden ist, in der ganze Landstriche veröden, in der eine neue Völkerwanderung junger Menschen stattfindet, indem sie der Arbeit hinterher reisen, gibt es einen Politiker, der die Familie als Schutzschild für staatliche Zuwendungen bezeichnet. Ja, und das war kein verbaler Ausrutscher des unsäglichen Roland Kochs (Ludwig Thoma: “Sie schlagen sich Schmisse ins Gesicht, denn auf dem Hintern sieht man's nicht!”), denn Koch trampelt weiter: "Eine vierköpfige Familie kann heute einschließlich Wohngeld bis zu 1900 Euro netto im Monat bekommen. Gekürzt werden können aber nur die 345 Euro für den Familienvater – zunächst nur um 30 Prozent. Das maximale Sanktionsrisiko beträgt meist rund 200 Euro. Das wird in der Regel kaum jemanden bewegen, 40 Stunden die Woche zu arbeiten." [Link]

   Aha, hauste noch mal feste druff auf die am unteren Ende der Leiter; Sozialneid schürend, kriegen wir also zukünftig Slums der Verelendung amerikanischer Zustände. Koch wurde von der Mehrheit der Hessen demokratisch gewählt. So stelle ich also zum dritten Mal die Frage: Deutschland, willst du wirklich Amerika sein? Du musst dich entscheiden.

 

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01.02.2006 - Mittwoch - "Überwachungsstaat"

 

Gerorge Orwell lässt grüßen: 14 Millionen Abfragen der Behörden auf Privatkonten wurden allein in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Thüringen und Sachsen 2005 registriert. In diesem Jahr soll es in den genannten Ländern bis zu 20 Mio. Abfragen werden. Schleichend entwickelt sich somit 1984 von der Utopie zur Realität.

   Wenn man jetzt die vielen Anti-Terrorgesetze dazunimmt, die Kameras, die mittlerweile in jeder Innenstadt und auf fast allen Autobahnen installiert sind sowie die digitale Speicherung aller Daten aus den verschiedensten Lebensbereichen, dann sind wir heute bereits an einem Punkt der Bürgerüberwachung und der Schnüffelbehörden angelangt, den man noch vor 20 Jahren eben als Orwellsche Utopie süffisant lächelnd abgetan hatte. Ich erinnere nur die älteren Westdeutschen unter uns an die im Vergleich zu heute lächerliche Volkszählung 1987 aber auch an den damaligen Aufstand dagegen. Nichts davon findet heute statt. Darf ich noch mal fragen: Deutschland, willst du wirklich Amerika sein? Du musst dich entscheiden.

 

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31.01.2006 - Dienstag - "Solidarität"

 

Das Gejammer angesichts der Lebensarbeitszeit von 65 auf 67 Jahre ist dann kaum nachvollziehbar, wenn es heißt, dies sei körperlich nicht zu bewerkstelligen etc. Wer mit 65 noch nicht ausgepowerd ist, wird es mit 67 sicher auch nicht sein. Das Problem ist ein ganz anderes: es arbeitet ja kaum noch jemand heute bis 65 Jahren, da einfach nicht genug Arbeit vorhanden ist. Aber dennoch polemisieren alle nun über die zwei Jahre. Klasse Nebelkerze, Herr Müntefering.

   Da es voraussichtlich auch nicht mehr Renteneintragszahler geben wird und eine private Rente keine Alternative darstellt aber die Rentner angesichts der steigenden Rentnerzahlen (geburtenstarke Jahrgänge) zu einer starken politischen Kraft werden, wird wohl nur die eine Möglichkeit zur Lösung des Dilemmas bleiben - die Rentenbeiträge werden drastisch erhöht. Und? Schlimm? Nein, die Sozialabgaben sind solidarisch für unsere eigene Gesellschaft zu entrichten und jeder einzelne profitiert am Ende davon. Die Sozialabgaben in den skandinavischen Ländern sind erheblich höher als bei uns, doch der soziale Friede, die soziale Gerechtigkeit und auch die Zufriedenheit der Einzahler ist in diesen Ländern beispielhaft.

   Doch Münte und Co. wissen, dass sie in einem Land der Egoisten mit dem Thema Solidarität nicht wiedergewählt werden. Tja, Deutschland, willst du wirklich Amerika sein? Du musst dich entscheiden.

 

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18.01.2006 - Mittwoch - "Grüne Politik"

 

Politik ist doch so ein scheiß schleimiges Geschäft... Nun macht sich die Linke zum Erfüllungsgehilfen der FDP. Wer hätte so was vor der Wahl gedacht? Und das nicht einmal, um die Regierung der Großen Koalition zu kritisieren, nein, da gibt's ja nichts zu kritisieren (siehe Eintrag von Gestern), aber um Vergangenes aufzubauschen und nachzukarten, was zwar am Ende nur Deutschland schaden wird, doch Hauptsache die Opposition ist überhaupt in den Medien im Gespräch.

   Nun könnte man ein solches Vorgehen entfernt vielleicht noch verstehen (der Feind meines Feindes ist mein Freund), doch dass die Grünen heute ihre eigene Regierungspolitik in diesem Maße rückwirkend beschädigen, grenzt meines Erachtens an Selbstverstümmelung, denn unabhängig von einem Ergebnis in ferner Zukunft bleibt die grüne Glaubwürdigkeit dabei als erstes auf der Strecke. Die Grünen haben mit ihrem gestrigen Beschluss den Stein hin zu ihrer politischen Bedeutungslosigkeit selbst ins Rollen gebracht.

 

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17.01.2006 - Dienstag - "Frau Merkel"

 

Also, ich schließe mich der allgemeinen Überraschung an und finde Frau Merkel auch erstaunlich gut. Kritisch, freundlich zu den USA und zu Russland, das ist klug und bringt eigenständiges deutsches Profil. Mir scheint, wir haben jetzt eine echte SPD-Kanzlerin, wogegen Schröder ja zweifelsohne ein Kanzler der Bosse war.

   Merkel gewinnt so viel an Kontur, macht alles selbst innerhalb der "Hundert Tage" richtig, dass der Opposition nichts weiter einfällt, als den Aufenthalt nur zweier BND-Beamter während des Krieges im Irak als Staataffäre aufzubauschen. Das ist erstens für Deutschland äußerst dumm und zweitens glaube ich, dass die Bevölkerung mehrheitlich der Opposition dafür den Stinkefinger zeigen wird.

 

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12.01.2006 - Donnerstag - "Krieg und Frieden"

 

Schritt für Schritt nähert sich ein neuer Krieg und niemand scheint wirklich etwas dagegen tun zu können. Ich kann auch nicht schon im Vorfeld Stellung gegen die USA beziehen, denn was sich der iranische Präsident so alles herausnimmt insbesondere sein Festhalten an das Atomprogramm, kann eigentlich kein vernünftig denkender Mensch dulden.

   Es geht nicht um die prinzipielle Aussage, dass wenn der Westen Atomtechnologie verwendet, jeder andere Staat das selbe Recht dazu besitzt. Es gibt eh schon zu viele "Atom-Staaten", es sollte kein einziges Land dazu kommen; das mal prinzipiell bemerkt. Aber instabile Gesellschaften - oder anders ausgedrückt, Gesellschaften, deren innerer Zusammenhalt allein durch gemeinsame Aus- und Abgrenzung anderer erreicht wird, solche Länder sind eine Gefahr für alle friedliebenden Nationen dieser Welt. Irans Präsident predigt unentwegt und laut den puren Hass und wurde in einer demokratischen Wahl von der großen Mehrheit der Bevölkerung gewählt.

   Ein neuerlicher Krieg wird sicher nicht wie im Irak mit einer Invasion enden. Es werden wohl "nur" Luftschläge unternommen. Mehr kann sich die USA momentan im nahen Osten nicht leisten, doch "Luftschläge" ist ein freundlicher Begriff für einen furchtbaren Bombenkrieg.

   So, und was nun? Lassen wir (als "wir" verstehe ich den Westen unter Führung der USA) den Iran gewähren und mischen wir uns bei seinem Tun nicht ein? Dann wird es über kurz oder lang Krieg mit Israel geben. Spätestens da können wir uns eine Nichteinmischung nicht mehr leisten. Oder stimmen wir einem begrenzten Luftkrieg der USA zu und das iranische Atomprogramm wird somit für die nächsten Jahre ausgeschaltet sein? Ich kenne keine einfache Antwort darauf - du?

 

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08.12.2005 - Donnerstag - "WTO-Protest"

 

Tolle kreative Idee: Nimm ein Foto von dir und schicke es mit deinem Slogan zur Onlinedemo: "Demonstrieren Sie online gegen die WTO-Ministerkonferenz in Hong Kong. Bisher demonstrieren hier 758 Menschen. Je mehr Menschen teilnehmen, desto deutlicher erscheint ein gemeinsames Bild des Protestes. Kurz vor der Ministerkonferenz in Hong Kong werden wir dieses Bild auf ein riesiges Banner drucken und in Hong Kong aufspannen. So können auch Sie bei dieser internationalen Demonstration dabei sein."

 

 

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07.12.2005 - Mittwoch - "Doppelte Moral"

 

Ich könnte heulen! Wie wir Deutschen mit dem Entführungsopfer Susanne Osthoff umgehen. In Frankreich und Italien ging jeweils die halbe Nation auf die Straße, um für die Entführungsopfer zu demonstrieren - bei uns sagt man lapidar, sie sei's selbst Schuld.

   Ehrlich, ich schäme mich für die fehlende positive Reaktion der Gesellschaft. Es ist typisch deutsch. Wenn hingegen Touristen in Gefahr sind oder sterben, gibt es Schlagzeilen und Betroffenheit ohne Ende, "hätte ja auch ich sein können" usw..

   Hier sind aber keine Touristen sondern es ist ein wirklich großes Leben bedroht, das der Menschheit ihr archäologisches Erbe zu erhalten versucht, und das zusätzlich humanitäre Hilfe dort leistet, wo kaum ein Europäer sich mehr hintraut.

   Wäre Susanne Osthoff nicht eine überaus selbstbewusste Frau, die den Orient liebt und sogar zum Islam konvertierte... Wo ist eigentlich Alice Schwarzer?

 

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06.12.2005 - Dienstag - "Elende Heuchelei"

 

Die moralische Entrüstung über die Verschleppung durch den amerikanischen Geheimdienst kann ich nicht so recht verstehen. Weshalb wird dieses Verhalten der CIA plötzlich zu einem Skandal? Fast jede Regierung in der Welt machte und macht so etwas. Verschleppungen gab es noch in der jüngeren deutschen BRD-DDR-Geschichte, die Türkei schnappte sich so den Kurdenführer, Russland macht es seit eh und je - und wir schauen heute sogar rührungslos dabei zu, wie Russland mit seinen "Terroristen" (Tschetschenien) umgeht. Kaum eine Pressemeldung gibt's deswegen, geschweige denn einen Skandal, wenn in Ruanda 500.000 Menschen abgeschlachtet werden. Und darf ich so ganz nebenbei mal an China erinnern und wie wir alle (Regierung und Unternehmen) heute dort buckeln und schleimen, um möglichst viele Geschäfte an Land ziehen zu können obwohl der chinesische Geheimdienst Dissidenten jagt und verschleppt? Gibt es verschiedene Klassen Menschen, Klassen Opfer oder Klassen Täter?

   Ich behaupte folgendes: Es geht überhaupt nicht um irgendwelche Opfer, sie sind den Medien scheißegal, solange mit ihnen keine Schlagzeilen gemacht werden kann (siehe Tschetschenien, Erdbebenopfer in Pakistan etc.). Es geht auch nicht darum, was irgendwelche Geheimdienste tun oder lassen, denn jeder weiß, dass dort viel unter der Decke der Menschlichkeit geschieht. Es ist den Medien und den meisten Menschen in Deutschland sogar völlig gleichgültig, was beispielsweise die Geheimdienste Boliviens, Südafrikas, Thailands oder den Philippinen mit Terroristen, Verbrechern oder sonstigen einzelnen Menschen machen - aber wenn Amerika, die USA etwas tun, dann schreien alle empört und zeigen mit ihren Fingern darauf. Es gibt also Täter unterschiedlicher Klassen:

-  USA = erste Klasse: Die Medien heucheln weltweit Entrüstung.

-  BRD = zweite Klasse: Eine Mitwisserschaft reicht bereits aus, und die Medien benutzen die Opfer für mediale auflagenversprechende Politikerschelte.

-  China, Russland = dritte Klasse: Täter und Opfer interessieren kein Schwein. Hoppla, Schwein? Ja genau, Schweinerei kommt von Schwein.

 

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14.11.2005 - Montag - "Markt und Demokratie"

 

Am Wochenende hatte ich einen überaus guten Artikel gelesen: "Vom Ende eines Märchens", Ernst Ulrich von Weizsäcker über das Verhältnis von Markt und Demokratie.

   Exakt so denke ich auch, wenn ich vom "Exportschlager Deutschlands", der soziale Marktwirtschaft schreibe, also der Mischung aus Markt und sozialen Werten. Von Weizsäcker bietet hier ein plausibles und fast geniales Denkmodell an, indem er die Aufklärung aufteilt in die des Marktes (USA) und die der Demokratie (Europa); und er schließt dabei, dass Markt nicht zwingend Demokratie schafft aber nennt gleichzeitig die historischen Irrwege des Sozialismus. Seine Quintessenz bedeutet die Trennung der Vorstellung vom Markt als alleiniger Demokratie schaffender Faktor. Klasse! Ein völlig neuer Ansatz für die Globalisierung.

   Es ist Montagmorgen und ich bin gerade von den drei Doppel-Nachtschichten zurück. Deshalb will und kann ich auch nichts ausführlicher nacherzählen, muss ich aber auch nicht, denn die Lektüre dieses Artikels sei hiermit ausdrücklich empfohlen - in ihm ist meiner Meinung nach ein Gedankenwurf in die Zukunft gelungen, der als Meilenstein betrachtet werden kann: die Auflösung des Knotens jahrhunderter alter Verstrickung vergangener Ideologien und Gesellschaftssysteme zugunsten einer neu definierten globalen Welt basierend auf den Prozessen der Aufklärung und der sozialen Vernunft. Ein Markt, der nicht sich alleine überlassen bleibt sondern global politisch kontrolliert bzw. gesteuert wird - was am Schluss zwangsläufig zu meiner immer geforderten föderalen demokratischen Weltregierung führen würde.

   Ist dies ein erster vielversprechender Ansatz hin zu einer neuen weltweiten Ideologie als Alternative zum überholten demokratischen Sozialismus? Oder bin ich jetzt zu euphorisch? Jedenfalls müde und geh nu ins Bett, jut Nacht :-))

 

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10.11.2005 - Donnerstag - "Der ewige Antisemit"

 

Wir schämen uns nicht, es gibt so verdammt viele davon - überall auf der Welt. Genau das passiert nämlich, wenn man aufgehört hat, sich für Nazi-Deutschland zu schämen, wenn man einen "Schlussstrich" ziehen möchte, wenn keine Verantwortung für eine nazifreie Zukunft mehr übernommen wird.

   Engelbert kauft ein Kriegsbuch (Tagebuch eines Nazis) und möchte damit belegen, dass er sich für die damalige Geschichte interessiert. Ich hätte da auch eins: Das Tagebuch der Anne Frank. Und dann rufe ich mir in Erinnerung, dass Engelbert sich für nichts schämt, was passiert ist.

 

   Und noch mal: "Das stete Aufwärmen ist gewollt", dies impliziert einen Vorsatz. Von wem und warum gewollt? Das ist die entscheidende Frage, nicht ein Ablenken zum Thema Schuld oder Unschuld.

   Ich empfehle Henryk M. Broders Buch "Der ewige Antisemit", das ich bereits seit den 1980er Jahren kenne und das heute so aktuell wie damals ist. Dort werden die "Nebensätze", das Unterschwellige präzise analysiert.

 

PS: Übrigens, Mikel, Mira, Mari und Peter, Hochachtung für eure Gradlinigkeit und Respekt für euer klares Eintreten. Das bekunde ich für alle, die sich nicht verbiegen.

 

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09.11.2005 - Mittwoch - "Keine drei Affen"

 

Alle paar Monate schiebt der Bildzeitungs-Niveau-Blogger Engelbert, auch bekannt als "Seelenbert", Blogeinträge unters Volk, in denen er sein Unverständnis kundtut, was die jüngere deutsche Geschichte betrifft. Nun ist es also wieder soweit: In Offenbach stünden arme Polizisten im Streifenwagen vor jüdischen Einrichtungen gelangweilt und mürrisch herum, nur da sie völlig unnötiger Weise diese Einrichtungen zu beschützen hätten. Dabei, so "Seelenbert", würde Privatpersonen der Personenschutz verweigert. Wie ungerecht. Und weiter dümpelt dieser Bert in seinem braunen Kielwasser und meint: "Das Festhalten an der Geschichte, das stete Aufwärmen, ist gewollt. [von wem und warum? Anm. von mir] Heute ist heute und wir sind nicht schuld daran, was damals passiert ist..." Nun hat das Eine mit dem Anderen bekanntlich überhaupt nichts zu tun, doch weshalb wird es wieder in einen Topf geschüttet und sodann kräftig verrührt?

   Solch dummes Gerede ist sicher gar nichts Neues, das findest du in jeder zweiten Dorfschänke am Stammtisch, da wo der Deutsche Michel zuhause ist und noch sagen kann, wo's lang geht, aber diese antisemitischen Sticheleien in einem öffentlichen Blog zu finden, ist etwas anderes und zutiefst widerwärtig. Da hilft auch nicht das Argument: Ich schreibe in meinem Blog was ich will. Denn es hat etwas mit Verantwortung zu tun.

   Ich finde, es ist an der Zeit, solchen Leuten virtuell auf die Finger zu klopfen. Sie müssen lernen, dass die heutige Gesellschaft diesen braunen Müll auch nicht einmal ansatzweise leiden mag. Und genau deshalb schweige ich nicht.

 

   Ach, Georg, du übertreibst, so meint er es doch gar nicht...

 

   Ach? Dieser Engelbert hat sich nicht verschrieben und meint es sogar noch viel konkreter: "Ich schäme mich nicht dafür, was passiert ist. Ich bin nicht das Gewissen anderer Menschen..."

   Aber ich schäme mich über solche Aussagen, dass sie öffentlich möglich sind. Ja, ich schäme mich. Und genau deshalb schweige ich nicht.

 

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27.10.2005 - Donnerstag - "Hass"

 

Die Maske fällt und blanker Hass quillt hervor. Ich halte die Gefahr, die vom neuen iranischen Präsidenten ausgeht, für die größte Gefahr im nahen Osten, viel größer als es Sadam je war und Bin Laden ist. Ein israelisch-iranischer Krieg könnte erstmals regional beschränkt mit Atomwaffen geführt werden. Verheerend wäre dieses Überschreiten des Tabus der Anwendung von Kernwaffen - damit wäre eine Tür geöffnet, die sich nicht mehr schließen ließe, die langfristig zu globaler Verwüstung, Not und Elend führt. Im ungünstigsten Fall wäre es möglich, dass dieser Konflikt als Funke einer sehr langen Lunte wirkt, an deren Ende ganz klar ein dritter Weltkrieg steht.

   Ich habe aber keine Ahnung, wie, wer oder was man heute präventiv dagegen unternehmen könnte.

 

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25.10.2005 - Dienstag - "Georgs deutsche Arroganz?"

 

Ich weiß, dass ich jetzt politisch inkorrekt schreibe, ich möchte das aber ganz bewusst jetzt tun. Oha! Worum, Herr Georg B. Mrozek (slawischer Namensursprung und gebräuchlicher polnischer Name), geht's denn? Um ein europäisches Land, dessen mehrheitliche Einwohner ich zeitlebens schon nicht so richtig ernst nehmen konnte und die ich seit Gestern erst Recht nicht mehr ernst nehmen kann, um Polen.

   Drumherum gibt es europäische Staaten, die der Vernunft verschrieben sind. Ok, meistens jedenfalls. Estland, Lettland, Litauen haben sich in einem Jahrzehnt beispiellos rasant positiv entwickelt, die Ukraine erlebte ihre "Orange Revolution", Tschechien und die Slowakei sind in Europa gut angekommen sogar Deutschland reformiert sich - aber rückentwickelt in eine vom Katholizismus beherrschte abergläubige Gesellschaft hat sich europaweit ganz allein Polen. Nun wählten die Polen nicht nur eine rückständige Partei, nein, auch der Schwulenhasser und zu Tode strafen wollende Katczynski wird mit Mehrheit zum Präsidenten gewählt.

   Gut, ich relativiere meine Kritik, schließlich steht etwa die Hälfte der Bevölkerung der USA auch nicht hinter Bush, also sind 54% rechter Polen keine starke Mehrheit, und immerhin sind wir Deutschen historisch betrachtet noch viel schlimmer, haben wir doch 1932 die NSDAP zur stärksten Partei gewählt. So gesehen hoffe ich, dass in Zukunft die Vernunft auch in Polen Einzug halten wird, bis dahin allerdings kann ich, wie gesagt, dieses mit seinen 200 Soldaten im Irak kriegführende Land einfach nicht ernst nehmen.

 

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