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"Neugierig streifst du durch die Wiese. Auf den
Grashalmen ruhen Tautropfen aus, die Morgensonne spiegelt sich noch einmal
eitel darin, bevor sie ihnen gleich das Leben nehmen wird. Ein paar
bleiben in deinem Fell hängen, während du, die Nase an der feuchten Erde,
von einer Fährte wie an einer unsichtbaren Schnur gezogen, das Gräsermeer
mit deinem Hundekörper teilst. Da! Ein Geräusch! Ruckartig hebst du den
Kopf, stellst die empfindlichen Ohren senkrecht auf. Du weißt sofort,
woher das Rascheln kommt. Du saugst Luft in deine Lungen, deine Nüstern
zittern - da löst sich aus dem Dickicht ein Hase, läuft los, schlägt
Haken, rennt um sein Leben. Mit einem Satz hast du die Verfolgung
aufgenommen. Die Ohren jetzt flach angelegt, fällst du vom Trab in den
Galopp, deine Pfoten wirbeln Erde auf. Jetzt hast du ihn fast erreicht:
Ein graues Fellbündel, das über das Gras zu fliegen scheint, mit einem
riesenhaften Schatten. Ein Atemzug noch, dann... Ich seh ein Zucken
durch deinen alten Hundeleib gehen, während ich an dir vorbei-gehe, im
Wohnzimmer, wo du auf dem Sisalteppich liegst und schläfst. "Was mag das
alte Mädchen träumen?", denke ich bei mir, bücke mich und streichle dir
sanft das von grauen Haaren durchzogene Fell und über die Beine, die dir
jetzt immer öfter den Dienst versagen.”
Monika Porrmann
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