Klick zu einer kleinen Hunde-Hommage

       Herr Müller

Müllerchen unmittelbar vor seinem
Tod am 4. Juli 2003

"Neugierig streifst du durch die Wiese. Auf den Grashalmen ruhen Tautropfen aus, die Morgensonne spiegelt sich noch einmal eitel darin, bevor sie ihnen gleich das Leben nehmen wird. Ein paar bleiben in deinem Fell hängen, während du, die Nase an der feuchten Erde, von einer Fährte wie an einer unsichtbaren Schnur gezogen, das Gräsermeer mit deinem Hundekörper teilst. Da! Ein Geräusch! Ruckartig hebst du den Kopf, stellst die empfindlichen Ohren senkrecht auf. Du weißt sofort, woher das Rascheln kommt. Du saugst Luft in deine Lungen, deine Nüstern zittern - da löst sich aus dem Dickicht ein Hase, läuft los, schlägt Haken, rennt um sein Leben. Mit einem Satz hast du die Verfolgung aufgenommen. Die Ohren jetzt flach angelegt, fällst du vom Trab in den Galopp, deine Pfoten wirbeln Erde auf. Jetzt hast du ihn fast erreicht: Ein graues Fellbündel, das über das Gras zu fliegen scheint, mit einem riesenhaften Schatten. Ein Atemzug noch, dann ...

Ich seh ein Zucken durch deinen alten Hundeleib gehen, während ich an dir vorbei-gehe, im Wohnzimmer, wo du auf dem Sisalteppich liegst und schläfst. "Was mag das alte Mädchen träumen?", denke ich bei mir, bücke mich und streichle dir sanft das von grauen Haaren durchzogene Fell und über die Beine, die dir jetzt immer öfter den Dienst versagen.”

Autorin:
Mo